Revolution, Rum, Salsa und Oldtimer - 5 Tage in Kubas Hauptstadt Havanna (Teil 1)

Schon am ersten Tag wird klar, die nach dem Urlaub sicherlich kommende Frage "Na, wie war´s denn in Havanna?" ist schwer zu beantworten. Man muss die größte Stadt der Karibik einfach selbst erlebt haben. Trotzdem versuche ich  mal ein paar Eindrücke zusammenzufassen: Havanna ist eine Stadt der Gegensätze. Durch die engen Gassen fahren aufpolierte Oldtimer vorbei an hohen Wohnhäusern mit bunten Fassaden, großen Holztüren und kleinen Balkonen mit verzierten Geländern. Auch die prachtvollen Kolonialbauten an den bekannten Plätzen der Altstadt sind wunderschön. Sie wurden aufwändig restauriert und locken so Unmengen von Touristen an.

Aber nur eine Ecke weiter ist der Verfall kaum noch aufzuhalten. Man sieht heruntergekommene, halb eingestürzte Häuser und völlig kaputte Straßen, in denen sich der Müll sammelt. Der Gestank breitet sich in der extremen Hitze schnell aus. Die Kubaner scheint das wenig zu stören, denn das Leben findet trotzdem auf der Straße statt und die positive Lebenseinstellung der Menschen kann das alles eh nicht trüben. 

Schon früh morgens sitzen die ersten Habaneros auf den Bordsteinen oder beobachten das langsam beginnende Treiben von ihrem Fenstersims aus. Dabei erklingt laute Salsamusik aus dem Haus oder dem  Smartphone in der Hosentasche. Die Türen der Häuser stehen hier den ganzen Tag offen und die Menschen im Viertel scheinen sich zu kennen. Die Vorbeigehenden werden meist herzlich begrüßt oder es wird eine lautstarke Unterhaltung quer über die Straße begonnen. Auch als Tourist wird man häufig angesprochen. Je näher man der Altstadt kommt desto häufiger wird gebettelt oder versucht etwas zu verkaufen, aber abseits der Touri-Hotspots möchte man sich auch einfach nur unterhalten und von den (angeblichen) Verwandten oder Freunden in Deutschland erzählen. Man hat ja schließlich Zeit. Also nicht zu skeptisch sein, denn Havanna ist für Touristen sehr sicher. Die Polizei ist dauerpräsent und niemand möchte hier Probleme mit dem Staat. Ebenfalls dauerpräsent ist die Revolution. Überall in den Straßen hängen Fahnen der Bewegung des 26. Julis (der von Fidel Castro geführten Organisation während der kubanischen Revolution),  Graffitis von Che Guevara oder Sprüche  wie „Fidel Siempre Vivirá en Nosotros“ (Fidel wird immer in uns leben") oder „Hasta la Victoria Siempre“ ("Bis zum dauerhaften Sieg" - Guevaras bekanntes Motto) zieren die Häuserwände. 

Die Kubaner feiern ihre Revolutionshelden. Denn die Revolution brachte so sagen sie viel Positives mit sich etwa im Gesundheits- und Bildungswesen. So gibt es zum Beispiel einen kubanischen Witz: "Was sind die drei größten Errungenschaften der Revolution? Gesundheit, Bildung und Sport. Und was sind die drei größten Mängel? Das Frühstück, Mittag- und Abendessen." Obwohl, wer als Tourist sagt, das kubanische Essen wäre schlecht, der weiß einfach nicht wo er zum Essen hingehen soll. Nach den bekanten Fastfood-Ketten kann man hier jedenfalls lange suchen. Aber die sogenannten Paladras - Privatrestaurant meist in den Wohnhäusern - bieten hervorragendes Essen zu für uns immer noch günstigen Preisen und die kubanischen Hausfrauen sind zurecht stolz auf ihre Kochkünste. So kamen wir in unserer Casa Particular in den Genuss eines reichhaltigen Frühstücks mit frischen Früchten, Toast, Marmelade, Eiern und Kaffee. Zum Abendessen durften wir unter anderem das kubanische Nationalgericht Vieja Ropa (wörtlich übersetzt: alte Kleidung) kosten. Dabei handelt es sich um zerpflücktes Rindfleisch zu dem Reis mit Bohnen, gebackene Bananen, Salat, Avocados und vorab eine Gemüsesuppe serviert wurde. Mit so einer guten Grundlage waren wir bereit die Stadt mit dem morbiden, aber unwiderstehlichen Charm zu erkunden. Was wir dabei in 5 Tagen erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Teil meines Berichtes.

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