Das perfekte Wochenende in Stockholm

Wenn man in ein fremdes Land reist, sollte man zumindest drei Worte in der Landessprache kennen. Von daher gibt es jetzt einen Schwedisch Kurs für Arme. Nein eigentlich für Reiche, denn Stockholm ist ziemlich teuer: Hallo = Hej; Tschüss = Hejda; Danke = Tack; So jetzt sind wir bereit für das Venedig des Nordens. 

Anreise nach und Unterkunft in Stockholm

Freitags abends geht es mit dem letzen Flieger des Tages von Düsseldorf nach Stockholm. Vom Flughafen Arlanda gelangt man in 20 Minuten mit dem Arlanda Express in die City oder in 40 Minuten mit dem Bus. Wir entscheiden uns für die langsamere aber deutlich günstigere Alternative (Hin- und Rückfahrt: ca. 22,50€ pro Person) und kommen gegen Mitternacht an der Station T-Centralen an. Von hier sind es noch 3 U-Bahn Stationen und 10 Minuten Fußweg bis zu unserem Hotel Scandic Ariadne. Da uns Schweden aber mit Regen und Kälte begrüßt, wollen wir mit dem Taxi zum Hotel. Daher suchen wir erst einmal einen Geldautomaten. Endlich gefunden funktioniert dieser aber nicht. Genervt suchen wir weiter. Nachdem wir endlich an schwedische Kronen gekommen sind, steigen wir ins Taxi um festzustellen, dass man auch hier für gewöhnlich mit Karte bezahlt (Taxikkosten ca. 25€ für ca. 6 km). Gegen 00.30 Uhr fallen wir endlich ins Bett.

Samstag Morgen werden wir vom Hupen der großen Schiffe geweckt, denn das Hotel liegt direkt am Hafen. Hier hält nicht nur das ein oder andere Kreuzfahrtschiff, man kann auch mit der Fähre nach Estland oder Finnland fahren. Insgesamt ist das Hotel für Städtereisen sehr zu empfehlen: gute Lage (Bus und U-Bahnanbindung in die City), günstig (ca. 35€ pro Nacht und Person inkl. Frühstück) und ein so vielfältiges Frühstücksbuffet wie ich es in kaum einem Hotel gesehen habe. 

Das Szeneviertel Södermalm (SoFo)

Samstag: Wir starten den Tag in Södermalm im sogenannten SoFo Viertel. Dafür fahren wir mit dem Bus 76 vom Hotel bis Medborgarplatsen. Hier finden wir zwar keine prachtvollen Gebäude, aber zahlreiche kleine Geschäfte und schöne Cafés. Wir bummeln also durch die Straßen immer bergauf bis wir beim In-Lokal Gondolen angekommen sind. Wir gehen allerdings nicht hinein, sondern genießen lediglich den atemberaubenden Ausblick über die Altstadt und die Insel Djurgarden auf der Aussichtsplattform. Danach laufen wir die Treppen runter zur U-Bahn Station Slussen und fahren zur Haltestelle Hornstull.

Der Straßenmarkt Hornstulls Marknad

Hornstulls Marknad - Flohmarkt und Streetfood in Södermalm, Stockholm

Von dort sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zum Straßenmarkt Hornstulls Marknad (ein echter Geheimtipp). Der Markt startet jedes Jahr am ersten April Wochenende und ist dann jeden Samstag und Sonntag von 11 - 17 Uhr geöffnet bis er im September wieder schließt. Auf dem Flohmarkt finden wir zahlreiche Antiquitäten und Kindersachen. Das eigentliche Highlight sind allerdings die vielen Fressbuden, die verschiedenste Köstlichkeiten von Crepe, über Burger und Borritos bis hin zu indischen Spezialitäten bieten. Selbst hier kann man alles mit Karte bezahlten. Nachdem wir hier zu Mittag gegessen haben, geht es weiter zur Insel Djurgarden

Die Insel Djurgarden

Mit dem Bus 54 fahren wir bis zur Haltestelle Kungsträdgården und weiter mit der Straßenbahn 7 bis zum Vasa Museum (Kosten 13,50€). Das Museum ist eines der beliebtesten in ganz Skandinavien. Beim Betreten des Museum stehen wir direkt vor dem weltweit einzigen verbliebenen Schiff aus dem 17. Jahrhundert, der Vasa. Das imposante Kriegsschiff sank 1628 bei der Jungfernfahrt und blieb 333 Jahre auf dem Grund vor dem Stockholmer Hafen liegen. Nach aufwendigen Konservierungs- und Wiederaufbauarbeiten können wir jetzt das 52 Meter hohe und 69 Meter lange Schiff, was zu 95% aus Originalteilen besteht bestaunen. Nachdem wir auf mehreren Ebenen die Geschichte der Vasa kennengelernt haben, fahren wir mit dem Bus 76 zurück zum Stockholmer Schloss.

Stockholms Zentrum - die Insel Stadsholmen

In einer der angrenzenden Gassen (Österlånggatan 1) befindet sich das Restaurant "Tradition", wo wir zu Abend essen. Das eher unscheinbare Lokal ist bekannt für seine schwedische Hausmannskost und die Swedish Meatballs (Kosten für eine Portion: 20,50€) eine absolute Empfehlung. Danach geht es weiter durch die dunklen fast menschenleeren Gassen für einen weiteren Drink in die 500 Meter entfernte Bar des "Flying Elk". Hier beenden wir den Abend. Vor allem an diesem Abend zeigt sich wie teuer Stockholm sein kann. Ein kleines Bier kostet hier fast 6€, der günstigste Cocktail ca. 15,50€.

Drottningholm Palace - der Wohnsitz der königlichen Familie

Sonntag: Wir starten den Tag an einer legendären Sportstätte, dem für die Sommerspiele 1912 gebauten Olympiastadion. Von unserem Hotel fahren wir mit dem Bus 76 zur Haltestelle Lindarängsvägen. Dort steigen wir in den Bus 72 Richtung Stadion. Als zwischen den vielen Wohnhäusern mit den schönen Fassaden die beeindruckende Ziegelstein-Arena auftaucht, steigen wir aus. Wir haben Glück, denn einer der Eingänge steht offen und so können wir die 400.000 handgemachten, schwedischen Ziegelsteine auch von Innen erkunden.

Nachdem wir das Stadion, an dem über 80 Weltrekorde aufgestellt wurden, wieder verlassen haben, steigen wir in den Bus 72 und fahren vorbei an der Stadtbibliothek zum schönen Platz OdenplanVon dort geht es weiter mit der U-Bahn bis Brommaplan, wo wir in einen der vielen Busse steigen, die zum Drottningholm Palace fahren - dem Wohnsitz der königlichen Familie. Dort angekommen laufen wir erst einmal ein paar Meter bis zu einem kleinen hölzernen Steg. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf das Schloss und den Mälarsee.

Wir laufen weiter vorbei am Schloss und dem Schlosstheater, durch das grün-goldene Tor bis wir im wunderschönen Schlosspark stehen. Jetzt im April ist die weitläufige Anlage eine richtige Ruheoase. Es ist wenig los und in Teilen des Parks sind wir ganz alleine. 

Wir laufen also weiter, das Schloss im Rücken über die langen Kieswege, zwischen den jetzt noch kahlen Sträuchern, bis man linker Hand einige kleine bunte Gebäude erahnen kann. Als wir den Hügel hinaufsteigen, sehen wir unter anderem das exotische „China-Schloss“. Das Schlösschen ist heute eines der authentischsten Beispiele für Europäische Chinoiserie im 18. Jahrhundert.

Nachdem wir die unterschiedlichen Bauten bewundert haben, laufen wir weiter zur anderen Seite des Parks. Dort an dem kleinen See machen wir ein Picknick.

Solna Stockholm

Nach dieser Stärkung sind wir fit für´s Shoppen. Dafür geht es von Drottningholm weiter mit dem Bus 176 / 177 zur Haltestelle „Solna Station“, wo sich das größte Einkaufszentrum des Landes - die Mall of Skandinavia - befindet. In den 250 Geschäften, Restaurants und Cafés haben wir genug Auswahl, um uns ein Stückchen Schweden mit nach Hause zu nehmen. Nach dem Shoppen verlassen wir das Einkaufszentrum mit den vielen Wi-Fi Hotspots und Ladestationen am nördlichen Ausgang und stehen direkt vor der Friends Arena. In dem Fußballstadion des Erstligisten AIK finden nicht nur viele Konzerte internationaler Künstler statt, hier wird auch das UEFA Europa League Finale im Mai 2017 ausgetragen. Wir beenden den Tag an dieser Sportstätte, denn die Rückfahrt zum Hotel dauert eine knappe Stunde.

Zum Beispiel: mit der Straßenbahn 22 bis Solna Zentrum (sehr schöne U-Bahn Station), weiter mit der U-Bahn 11 bis in die City, weiter mit der U-Bahn 13 bis Gärdet.

Tipp: Von April bis Oktober kann man auch mit historischen Booten von der Altstadt zum Schloss Drottningholm fahren.

Die Altstadt Gamla Stan

Montag: Wir starten den Tag in Gamla Stan. Die Altstadt gehört zu den größten und besterhaltensten historischen Stadtkernen ganz Europas. Dafür fahreb wir von unserem Hotel mit dem Bus 76 zum "Kungsträdgarden". Beim Aussteigen fällt unser Blick sofort auf die leuchtend rote JacobskircheWir laufen an dem Gebäude vorbei bis wir am Gustav-Adolf Platz vorbeikommen, an dem sich auch die königliche schwedische Nationaloper befindet. Auf der anderen Seite des Platzes sehen wir den Arvfurstens Palast, das heutige Außenministerium.

Über die kleine Brücke Riksbron gelangen wir auf die Insel Helgeandsholmen, wo sich der Reichstag (Riksdagshuset) befindet.

Weiter geht´s über die Brücke Stallbron. Wir halten uns links und können eines der größten Schlösser Europas "Kungliga slottet" nicht verfehlen. Von dieser Seite kann man allerdings noch gar nicht sehen wie groß es ist. Heute dient der Bau dem schwedischen Königshaus als Arbeitsplatz, denn die Königsfamilie ist bereits 1982 aus diesem eher unspektakulären Betonklotz in das viel prunkvollere Schloss Drottningholm gezogen. 

Wir gehen ein paar Meter weiter zur Storkyrkan (Nikolaikirche), dem Ort an dem Kronprinzessin Victoria im Sommer 2010 ihren Daniel geheiratet hat. Wir laufen weiter - rechts die Kirche, links der Obelisk - in die Gasse Källargränd, die uns direkt zum großen Marktplatz Stortorget führt. Wo im Jahr 1520 das legendäre Stockholmer Blutbad stattfand, bei dem ca. 80 Mitglieder der gehobenen Gesellschaft hingerichtet wurden, ist heute eins der meist fotografierten Motive der Stadt. Denn heute stehen hier wunderschöne bunt gestrichenen Giebelhäuser. 

Wir laufen weiter durch die kleinen Gassen mit den vielen Souvenir Shops bis wir zur "Tyska kyrkan" (Gertrudskirche) kommen. In der deutschen Kirche findet jeden Sonntag ein deutschsprachiger Gottesdienst statt. Wir halten uns rechts und kommen zur engsten Gasse Stockholms - Mårten Trotzigs Gränd. Wir spazieren durch die teilweise nur 90 cm breite Straße weiter bis zur Schleuse "Slussen", wo das Süßwasser des Mälarensees vom Salzwasser der Ostsee getrennt wird. Hier steigen wir in den Bus 76 Richtung Djurgarden. Während der Fahrt können wir nun auch die Ausmaße des Stockholmer Schlosses erkennen. Dann kommen wir am Mittelaltermuseum "Medeltidsmuseum", dem Königsgarten und dem königlichen dramatischen Theater vorbei.

Die Insel Djurgarden - grüne Oase inmitten der Stadt

An der Haltestelle Djurgardsbron steigen wir aus. Über die kleine Brücke gelangen wir zur Insel Djurgarden, eine grüne Oase inmitten der Stadt. Früher königliches Jagdgebiet, heute Heimat zahlreicher Museen, eines Vergnügungsparks und Teil des ersten innerstädtischen Nationalparks "Ekoparken". Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick übers Wasser und in den kleinen Park, den man durch das leuchtend blaue Tor mit den goldenen Verzierungen erreicht. 

Wir laufen weiter vorbei am Nordischen Museum und am weltweit ersten Freilichtmuseum "Skansen" bis wir das ABBA Museum (Kosten 22,50€) sehen. Eine Must-See bzw. Must-Experience Sehenswürdigkeit für jeden ABBA Fan. Das Museum zeigt nämlich nicht nur eine umfangreiche ABBA Sammlung - Kleidung, Tour-Autos, Preise, Platten, ... - und erzählt die Geschichte der Band, es ist auch interaktiv gestaltet. So können wir gleich am Eingang die Bühne stürmen, um den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Weiter geht´s ins Studio, um einen der bekannten ABBA Songs aufzunehmen oder selber zu mixen. Auf der nächsten Bühne werden wir zum 5ten Mitglied der Band und performen gemeinsam mit Agnetha, Björn, Benny und Anni "Dancing Queen". Zum Schluss können wir unser gerade erlerntes Wissen noch bei einem Quiz testen. 

Nach dem wir aus dem Museum getanzt sind, laufen wir noch ein Stück weiter vorbei an den vielen für Schweden so typischen Holzhäusern. Nach ca. 2 km kommt man in einen weitläufigen Park. Leider müssen wir uns aber jetzt von Stockholm verabschieden, um noch unseren Abendflug nach Düsseldorf zu bekommen. Und so geht es zurück zum Hotel die Koffer einsammeln und ab zum Flughafen.

Weitere Insidertipps für Stockholm:

Die Markthalle Saluhall im Stadtteil Östermalm bietet verschiedenste Delikatessen. An den vielen Ständen kann man fast alles kaufen was das Herz begehrt. Die vielen kleinen Restaurants, Bars und Cafés eignen sich aber auch perfekt zum Mittagessen.

 

Das große traditionsreiche Restaurant Kvarnen im Stadtteil Södermalm (Tjärhovsgatan 4) bietet leckere schwedische Hausmannskost. Das Lokal, was sehr an ein Brauhaus oder englisches Pub erinnert, ist definitiv einen Besuch wert.

Beim Stockholm Ghost Walk einem ca. stündigen Rundgang wird die Vergangenheit Stockholms zu neuem Leben erweckt. Hier lernt man die Altstadt am Abend auf besondere Weise kennen. Ein Experte führt durch verlassene Höfe, leere Gassen und an mystische Orte und erzählt dabei von Geistergeschichten, Morden, ungelösten Rätseln, Mythen und Legenden.

Im Sommer finden kostenlose Touren durch Stockholms Untergrund statt. Dabei erklären Kunstkenner die Werke an einigen der ca. 90 U-Bahn Stationen, die von verschiedenen Künstlern gestaltet wurden.

Für die 3 Tage haben wir uns eine 72 Stunde Travel Card für ca. 27€ pro Person gekauft. Damit kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Man kann sich natürlich auch den sogenannten Stockholm Pass (Kosten für 3 Tage ca. 105€) kaufen, mit dem man zusätzlich freien Eintritt bei vielen Sehenswürdigkeiten hat. Hier würde ich mir aber vorher genau überlegen was man machen will und das Ganze einmal gegenrechnen. 

Reisezeit: Für uns war der April die perfekte Reisezeit. Auch wenn hier noch nicht so viel blüht und man den Wintermantel einpacken muss, kann man die vielen Sehenswürdigkeiten und Parks in Ruhe genießen. Nirgends musste man anstehen, die Tunnelbana war immer schön leer und man konnte gemütlich durch die Gassen der Altstadt und die Parks spazieren.

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