Virtuelles Reisen in Zeiten von Corona - Virtual Live Walk Look Up London

Virtual Live Walk Look Up London

Das Coronavirus lähmt zurzeit die ganze Welt. Von Urlaubsreisen können wir leider nur träumen. Das ist für viele Touristen sicherlich ärgerlich, aber nicht wirklich dramatisch. Doch Selbstständige, die in der Tourismusbranche arbeiten, müssen dieser Tage um ihre Existenz fürchten. So auch Katie von Look up London, die normalerweise Walking Touren in London durchführt.  Schön, wenn dann außergewöhnliche Wege gefunden werden, seinem Job nachzugehen. Und so durfte ich kürzlich an meiner ersten virtuellen Walking Tour teilnehmen.*


Look up London - Virtual Walking Tour

Die virtuelle Look up London Sightseeingtour durch die City of London wurde von der lieben Simone organisiert. Simone ist eine echte London Expertin und teilt ihre Erfahrungen über die beste Stadt der Welt auf ihrem Blog Totally London. Dank ihrer vielen Kontakte dort, konnte sie die Tour in kürzester Zeit für uns organisieren.

Stationen der Look Up London Virtual Walking Tour

Die Tour startet in der City of London, dem ältesten Teil der Stadt. Schon in den ersten paar Minuten bekommen wir eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Londons zu sehen, die St. Paul’s Kathedrale. Dazu gibt es natürlich viele historische Fakten von Katie. So erzählt sie zum Beispiel, dass auch St. Paul´s vom großen Feuer im Jahre 1666 nicht verschont blieb. Vor dieser Katastrophe waren rund um die riesige Kirche viele Buchhändler ansässig. Aus Angst all die Bücher könnten verbrennen, brachten die Händler ihre Bücher in die Kathedrale. Denn niemand hätte es für möglich gehalten, dass diese den Flammen zum Opfer fiel. Doch leider blieb auch das Gotteshaus vom Feuer nicht verschont und durch die ganzen Bücher entstand ein gigantisches Feuer. Nach dieser Katastrophe wurde das Gebäude nach Entwürfen von Christopher Wren wieder aufgebaut und im Jahr 1712 fertiggestellt.

 

Die nächste Station unserer virtuellen Tour ist eine weitere Kirche von Christopher Wren, die Christ Church. Sie wurde ebenfalls während des großen Feuers 1666 zerstört und danach nach den Plänen Wrens wieder aufgebaut. Leider wurde sie im zweiten Weltkrieg erneut zerstört und man entschied sich, das Gebäude nicht noch einmal zu rekonstruieren. Heute ist an dieser Stelle ein sogenannter Pocket Park, d.h. ein sehr kleiner öffentlicher Park. Der noch erhaltene Kirchturm ist mittlerweile eine 12 Etagen Wohnung mit einem der kleinsten Aufzüge Londons. 2014 wurde die Wohnung für ca. 6 Millionen Pfund verkauft und ist nun das Zuhause eines wahrscheinlich sehr glücklichen Londoners.

 

Dann geht es weiter zum Postman´s Park, ein weiterer Pocket Park in London, der seinen Spitznamen durch das einst nahe gelegene General Post Office erhielt. Dort zeigt uns Katie die Gedenktafeln an der Wand. Diese Tafeln sollen Verstorbene ehren, die in einem Akt der Selbstlosigkeit starben, als sie versuchten das Leben anderer Personen zu retten. Die erste Tafel, die dort angebracht wurde, ist für eine Frau namens Alice Ayres. Sie starb 1885 an den Folgen einer Rauchvergiftung, nachdem sie versuchte ihre Nichten und Neffen aus ihrem brennenden Haus zu retten. Tragischerweise konnten nur drei der vier Kindern gerettet werden.

 

Kurze Zeit später bekommen wir einige Überreste der London City Wall zu sehen. Sie wurde vermutlich um das Jahr 200 von den Römern erbaut. Historiker sind sich nicht einig aus welchem Grund die Mauer errichtet wurde, so Katie. Natürlich könnte sie zum Schutz erbaut worden sein, eine weitere Erklärung wären aber auch steuerliche Gründe.

 

Jetzt geht es weiter zu einem weiteren kleinen Park, Churchyard of Saint John Zachary. Dieser gehört zur Goldsmith Company, genau wie das Gebäude (das Headquarter von Goldsmith) gegenüber. Die Goldsmith Company ist eine Livery Company (englischer Berufsverband) in der City of London. Sie wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet und besitzt noch heute sehr viel Grund in London und somit sehr viel Geld. Katie zeigt uns eines der Goldsmith Zeichen, einen goldenen Leopardenkopf am Tor des Parkes. Das vollständige Symbol von Goldsmith ist ein blau-rotes Wappen mit zwei Leopardenköpfen und zwei Tassen. Von nun an wissen wir also, wann immer wir eines der Symbole sehen, handelt es sich um Eigentum der Goldsmith Company.

 

Dann geht es weiter zum Guildhall Yard. Auf dem Weg dorthin, sehen wir noch einen weiterer Kirchturm von Christopher Wren, umgeben von lauter neuen Gebäuden. An dieser Stelle zeigt sich wieder einmal, dass die City of London wie kein zweiter Londoner Stadtteil alte und neue Architektur auf großartige Weise vereint. 

 

Auf den kurzen Wegen gibt es natürlich immer wieder interessante Fakten von Katie: zum Beispiel wohnen in der City ca. 8.000 Menschen. Daher ist es am Wochenende nicht allzu voll. In der Woche kommen allerdings ca. 500.000 Menschen in diesen Stadtteil, um dort zu arbeiten. Daher ist es von Montag bis Freitag ziemlich überfüllt.

Blick auf die City of London vom Tate Modern

⬆️ Blick auf die City of London vom Tate Modern ⬆️


Nach kurzer Zeit betritt Katie mit uns Guildhall Yard, ein wunderschöner großer Platz, an dem sich unter anderem das Rathaus der City of London befindet. Kleiner Fun Fakt von Katie am Rande: der amtierende Bürgermeister der City, William Russell, ist ein Cousin des Britischen Schauspielers Damian Lewis. Für mich ist der Platz ein echter Geheimtipp, den ich bisher noch nicht kannte. Die verschiedenen Gebäude vereinen auf einzigartige Weise verschiedene Architekturstile aus unterschiedlichen Jahrhunderten und ergeben so ein wunderschönes Gesamtbild. Auf dem Boden des Platzes weist uns Katie auf eine schwarze Linie hin. Diese Linie zeigt, wo früher einmal das Amphitheater stand, die Britische Version des Kolosseums. Dieses wurde um das Jahr 200 erbaut und bot Platz für ca. 7000 Personen. Wer mehr darüber erfahren möchte, der kann sich das Ganze kostenlos in der Guildhall Art Gallery, die sich im Keller des Rathauses befindet, anschauen. 

 

Auf dem Weg zur nächsten Station sehen wir noch zwei Wolkenkratzer, the Cheesegrater (die Käsereibe) und the Scalpel (das Skalpell). Das Gebäude „The Cheesegrater“ erhielt seinen Namen durch sein keilförmiges Aussehen. Die Form hat einen guten Grund. Katie erklärt, dass es verschiedene geschützte Aussichten auf die Kuppel der St. Paul’s Kathedrale gibt, die nicht zugebaut werden dürfen. Um trotzdem weit in die Höhe bauen zu können, entschied man sich für die außergewöhnliche Form.

 

Dann geht es weiter zu Mercers, die Nummer eins unter den Livery Companies. Vor Mercers´ Hall zeigt uns Katie das Symbol, eine Frau, Mercers Maiden, die auf das Eigentum der Company hinweist.

 

Nur wenige Meter entfernt finden wir die Statue des berühmtesten Mercer’s, Thomas Beckett. Diese befindet sich an seinem ehemaligen Wohnhaus auf der Straße Cheapside. Beckett war ein Heiliger, der nach Streitigkeiten mit dem König Heinrich II. in seiner eigenen Kirche, der Kathedrale von Canterbury, von vier Rittern ermordet wurde. Man sagt, die Ritter handelten im Auftrag des Königs. Ganz England war über die Ermordung so geschockt, dass Heinrich II. nach Canterbury kam und barfuß durch die Straßen lief, um so um Vergebung zu bitten. Dadurch wurde Thomas Beckett der berühmteste Heilige in der Geschichte Englands.

 

Weiter erklärt Katie, dass das alte angelsächsische Wort cheap soviel wie market place oder trading place bedeutet. So erhielt die Straße Cheapside ihren Namen. Denn früher war hier die Shoppingstraße der Stadt. Auch die umliegenden Straßen haben noch heute Namen, die an die Historie erinnert wie zum Beispiel Milk Street oder Honey Lane. Die Namen zeigen was früher einmal dort verkauft wurde.

 

Die Look Up London Tour endet an der Great Conduit Plakette. The Great Conduit ist ein unterirdischer künstlich angelegter Kanal, der früher einmal frisches Trinkwasser in die City of London brachte. Katie beendet die virtuelle Walking Tour mit einem besonders schönen Fun Fact: Bei bestimmten Feierlichkeiten floss kein Wasser, sondern Wein durch den Kanal und so konnte sich die Bevölkerung kostenlos betrinken. 


Fazit Look Up London Virtual Walking Tour

Die virtuelle Walking Tour war ein wirklich tolles Erlebnis in diesen schwierigen Zeiten. Perfekt für uns Londonverrückte, um die Sehnsucht nach der coolsten Stadt der Welt zumindest ein bisschen zu stillen. Während wir auf dem Sofa saßen und vom nächsten Städtetrip zurzeit leider nur träumen können, hat uns Katie ein Stück Geschichte eines großartigen Londoner Stadtteils näher gebracht. Obwohl ich eine Zeit lang in der City of London gearbeitet habe, waren mir einige Orte völlig unbekannt. Mein Highlight war definitiv Guildhall Yard. Dieser wunderschöne Ort ist sofort auf meine Bucket List für den nächsten Städtetrip gewandert.

 

Zum Schluss möchte ich ein großes Dankeschön an Katie und ihren Kameramann aussprechen für die wunderbare Tour! Natürlich geht auch ein großes Dankeschön an Simone für die Organisation.

 

* Die Tour fand natürlich vor der Ausgangssperre in Großbritannien statt. Seitdem veranstaltet Katie aber virtuelle Touren aus dem Home Office heraus. Dabei zeigt sie dann Bilder und Videos von den Orten über die sie spricht. Schalte live ein: Montags, Mittwochs und Freitags um 14 Uhr (15 Uhr deutscher Zeit) auf Instagram oder schau dir die Tour später auf der Look Up London Facebook Seite an.


Mehr über Katie und Look Up London

Katie lebt schon immer in London und kennt die Stadt daher wie ihre Westentasche. Sie ist eine preisgekrönte History-Bloggerin und ein sogenannter Blue Badge Guide. Diese Auszeichnung wird vom Institute of Tourist Guiding vergeben, nachdem man verschiedene schriftliche und praktische Prüfungen zum Thema Londoner Geschichte abgelegt hat.

 

Um Katie und lookup.london zu unterstützen, kannst du ihr auf InstagramFacebook und Twitter folgen, ihren Newsletter abonnieren, über Paypal spenden oder Gutscheine für künftige Touren kaufen.


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