Ein Ausflug ins Viñales Tal - eine der größten Naturschönheiten Kuba´s

Mural de la Prehistoria, Viñales

Am Mittwoch geht es für uns raus aus Havanna. Wir wollen eine Tagestour ins Viñales Tal machen. Eigentlich war diese schon für den Vortag geplant, aber wir werden einfach nicht von den Veranstalter, der über Getyourguide.com gebuchten Tour abgeholt. Die Besitzerin unserer Casa ist sehr bemüht und versucht mehrere Male bei den beiden angegebenen Telefonnummern anzurufen - vergeblich! Also buchen wir kurzer Hand im Hotel Inglaterra die gleiche Tour für eben den Mittwoch. 

Am nächsten Morgen sitzen wir um Punkt 7.30 vor dem Hotel, obwohl uns eigentlich schon klar ist, dass 7.30 in karibischer Zeit nicht tatsächlich 7.30 Uhr bedeutet. Jetzt heißt es also wieder warten. Plötzlich kommt ein älterer Herr außer Atem und völlig durchgeschwitzt angelaufen und fragt uns mit starkem osteuropäischen Akzent, ob wir auf den Bus nach Viñales warten. Wir bejahen und er gesellt sich zu uns. Nervös erzählt er den ganzen Weg gerannt zu sein aus Panik zu spät zu kommen. Bei jedem vorbeifahrenden Bus springt er auf. Dann hält ein Bus mit der Aufschrift Viñales. Prompt steht der Namenlose (private Information wie seinen Namen oder Beruf möchte er nicht preisgeben - "That´s private") an der Bustür und klopft heftig gegen das Glas. Die Reiseleiterin steigt aus und schaut auf sein Ticket. Dann beginnen die Diskussionen, denn es ist nicht die von ihm (und uns) gebuchte Tour. Nennen wir ihn mal Igor möchte aber nicht verstehen warum er nicht mitfahren kann, da der Bus ja schließlich zu seinem gewünschten Ziel fährt. Mittlerweile hat sich auch Senna zu uns gesetzt. Die Anfang 30 jährige Türkin ist spät dran aber holt sich erst mal einen Kaffee im Hotel. Igor wirkt verwirrt über ihre Gelassenheit. Dass sie ihm versucht zu erklären, dass die Uhren hier etwas anders ticken, verwirrt ihn nur noch mehr. Dann kommt endlich der Bus und mit einer Verspätung von nur 30 Minuten geht es Richtung Viñales. Während der Reiseleiter die Tour erklärt und alle Nationen einzeln begrüßt, können wir beobachten wie Igor alle 3 Minuten aufsteht und zu der ein paar Reihen vor ihm sitzenden Senna läuft. Beim ersten Zwischenstopp stellt sich dann heraus, dass er keinerlei Interesse an ihr sondern an ihrem englischsprachigen Reiseführer hat. Denn Igor hat Fragen, viele Fragen. Das bekommt auf der Weiterfahrt auch der Reiseleiter zu spüren und als wir nach 2 Stunden in Viñales ankommen, weiß das die ganze Reisegruppe. Dort halten wir zunächst an einer Aussichtsplattform, die einen atemberaubenden Blick über eine der meistbesuchten Gegenden der Insel bietet. Das Tal zieht sich über eine Breite von 4 km und eine Länge von 10 km. Grün bewachsene Kalksteinhügel (mogotes), Kubas Nationalbaum, die Königspalme und unzählige weitere Pflanzenarten prägen diese malerische Landschaft.

Aussicht auf das Viñales Tal, Kuba

Mural de la Prehistoria

Von dort geht es weiter zur Mural de la Prehistoria und spätestens an diesem 120 Meter hohen und 180 Meter breiten Wandgemälde angekommen weiß jeder, dass er sich besser von Igor fernhält, wenn er nicht mit Fragen über Fragen gelöchert werden will. So lernen wir auch den Amerikaner Mike kennen, der auf der Flucht vor dem Sonderling Verbündete sucht. Gemeinsam schaffen wir es im danebenliegenden Restaurant einen Platz weit abseits von Igor, der mittlerweile nur noch ein weißes Feinripp-Unterhemd trägt, zu bekommen. Sattdessen sitzen wir neben einem Franzosen, der den übermäßigen Rum-Ausschank des Kellners etwas zu euphorisch feiert. Er bestellt eine Pina Colada, die erst am Tisch mit Rum befüllt und auf Wunsch immer wieder nachgegossen wird - natürlich nur mit Rum. Nach mehreren Extraportionen ist sein Glas irgendwann fast leer und er bekommt noch einmal ein Glas puren Rum. Der Kellner ist leider nicht allzu treffsicher und so füllt sich auch der Teller des Franzosen mit Alkohol. Kein Problem für ihn, er leckt einfach die gesamte Flüssigkeit von seinem Teller runter. Als die Hauptspeise kommt ist unser Sitznachbar schon so betrunken, dass er direkt von den (für alle gedachten) Platten das Essen mit den Fingern in sich reinschaufelt. Zum Glück gehörte er nicht zu unserer Gruppe. Wir haben ja schließlich schon genug mit Igor zu tun.

Cueva del Indio Höhle

Nach dem Essen fahren wir zur Cueva del Indio Höhle. Diese war früher Zufluchtsort und Grabstätte für die von den Spaniern vertriebenen Arawak Indianer. Bevor es in die Höhle geht kommen Mike, Senna und ich noch in den Genuss an einer traditionellen Indianer Zeremonie teilzunehmen. Als der selbst ernannte Medizinmann bemerkt, dass Mikes Knie bandagiert ist, wird das ganze kurzer Hand zur Heilungszeremonie und so tanzen Senna und ich um Mike herum, während er eine Keule in die Luft streckt und Uga-Chaka-Laute von sich gibt. Doch spätestens als eine lebendige Baumratte und ein Adler zum Einsatz kommen, steige ich aus. (Soweit ich weiß konnte Mike der Knie OP trotzdem nicht entgehen.)

Nach diesem Spektakel haben wir uns die Bootsfahrt in der Höhle aber wirklich verdient. Nach ca. 300 Metern Fußweg geht es ab ins Boot. Da aber nur ein kleiner Teil der Höhle beleuchtet und somit befahrbar ist, ist die Fahrt kurz. Als wir auf den Ausgang zufahren, regnet es in strömen. Wir werden ziemlich nass. Doch nach ein paar Minuten hört es wieder auf und wir trocknen schnell.  

Besuch bei einem Tabakbauern

Der letzte Punkt unseres Ausfluges ist ein Besuch bei einem Tabakbauern. Er erzählt von der Tabakproduktion und beginnt dann eine Zigarre zu drehen. Igor ist ganz aufgeregt und nachdem er die ganze Umgebung hundertfach fotografiert hat, quetscht er sich nach ganz vorne, um nichts zu verpassen. Das jetzt kaum ein anderer noch ein Foto ohne seinen Hinterkopf drauf machen kann, nimmt er gar nicht wahr. Plötzlich schreit er los: "Stop, stop!" Denn schließlich möchte er keine verwackelten Fotos und so muss der Tabakbauer in Zeitlupe weitermachen und immer wieder still halten, damit ein perfektes Foto entstehen kann. Im Anschluss werden zwei Zigarren ausgegeben, an denen jeder der möchte mal ziehen darf. Eine davon reißt sich eine einzelne Person unter den Nagel. Und so wartet die ganze Reisegruppe bis Igor endlich seine Zigarre aufgeraucht hat und wir wieder nach Havanna zurückfahren können. Auf der Fahrt dorthin bekommt der Pole vom Reiseleiter absolutes Fragen-Verbot. Nach einigen Fragen die nicht mehr beantwortet werden gibt er auf und es herrscht endlich Ruhe.

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